Geschichte(n) der Linken: 1968 – eine andere Welt war möglich. Ein Zwischenbericht
„Es ist die Stärke des beschworenen Gefühls, die Größe des Traumes und die Siegessicherheit ob seiner baldigen Verwirklichung, die anachronistisch geworden ist.“
(aus: Bini Adamczak, „Warum mir das Ausbleiben der Revolution auf den Magen schlägt“)
Bis heute suspekt: Frauenbewegung, Drogenlegalisierung und reden über Sex
Automatisierung in Haushalt und Fabrik eröffnete breiteren Bevölkerungsschichten Ende der 60er mehr freie Zeit. Zum Schrecken vieler Konservativer und traditioneller Linker verbrachte die Jugend diese allerdings mit bewusstseinsverändernden Substanzen, ungezügelter Sexualität und einer eigenen Kultur in Musik oder Kleidung. Noch 40 Jahre danach streitet die Linke über Drogenverbote, schweigt zu Sexualität und ignoriert immer wieder Machtmechanismen jenseits von Klassenverhältnissen.
Wie Frigga Haug im März 2008 den Hintergrund für den Tomatenwurf 1968 schildert: Ignoranz der Männer gegenüber der gar nicht so privaten Situation der Frauen im SDS und dem Rest der Gesellschaft - leider immer noch aktuell. Zwei Wochen später geht Lars Quadfasel mit der Forderung nach der Freigabe aller Drogen vielen Teilnehmenden zu weit, sie verlassen die Veranstaltung. Bei Günter Amendts „Sexfront revisited“ auf dem SDS-Kongress im Mai 08 platzt der Seminarraum aus allen Nähten und Gisela Notz zitiert ‚Ton Steine Scherben’: „Wir brauchen keinen starken Mann, wir sind selber stark genug.“
Die Kulturrevolution der ‚Neuen Linken’ – Bewegung gestern und heute
Wer 68 zum Mythos verklärt und so begründet, den aktuellen Hype rechts liegen lässt, übersieht eins: Bewegung kommt von unten! Nicht von Parteien oder Denkern, nicht mal im eigentlichen Sinne von der Linken, sondern von dem, was wir seitdem als neue soziale Bewegungen bezeichnen – Menschen, die sich Luft verschaffen, die sich als Teil einer Veränderung zum Positiven wahrnehmen, die sich ihr Leben wieder aneignen.
Diese „Neue Linke“ hat einen neuen Politikbegriff, marxistisch gesprochen um die „Entfremdung“ als zentrale Kategorie statt der „Ausbeutung“. Alt an der „Alten Linken“ ist die zentrale Stellung der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt, die Fabrik als Ort der Auseinandersetzung, die Öffentlichkeit als Repräsentationsraum. „Das Private ist politisch“ - 1968 geht es auch um die eigenen Lebens- und Liebesverhältnisse: Sex, Drogen und kulturelle Autonomie als Vorschein einer ganz anderen Welt, die möglich scheint. “Freaks are revolutionaries and revolutionaries are freaks. If you want to find us, this is where we are. ” (aus dem ersten Kommunique des Weather Underground).
Blick über den nationalen Tellerrand: Der 31. BuKo-Kongress zu ‚68 international’
Der Vietnamkrieg schaffte eine seltene Gleichzeitigkeit in dieser globalen Bewegung, das Farbfernsehen tat sein übriges. Was auf der rls-Tagung in Hamburg eher akademisch diskutiert wurde, fand auf dem Kongress der Bundeskoordination Internationalismus breites Interesse: Wo steht linke Praxis heute? Und wie hilfreich ist dafür ihre Theoriebildung und Geschichte?
Was sagt uns der Demokratiebegriff Alain Badious über die Grenzen der Mobilisierung von Bewegung? Wie sah ‚1968’ in Südamerika aus und welche Rolle spielen diese Jahre dort heute? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem mexikanischen Massaker am 2. Oktober 1968 und der Bewegung der Zapatisten heute?
Diese und viele weitere Fragen werden uns als AG68 und Bewegungsaktivst_innen weiter beschäftigen, und wir laden alle dazu ein.
(aus: Bini Adamczak, „Warum mir das Ausbleiben der Revolution auf den Magen schlägt“)
Bis heute suspekt: Frauenbewegung, Drogenlegalisierung und reden über Sex
Automatisierung in Haushalt und Fabrik eröffnete breiteren Bevölkerungsschichten Ende der 60er mehr freie Zeit. Zum Schrecken vieler Konservativer und traditioneller Linker verbrachte die Jugend diese allerdings mit bewusstseinsverändernden Substanzen, ungezügelter Sexualität und einer eigenen Kultur in Musik oder Kleidung. Noch 40 Jahre danach streitet die Linke über Drogenverbote, schweigt zu Sexualität und ignoriert immer wieder Machtmechanismen jenseits von Klassenverhältnissen.
Wie Frigga Haug im März 2008 den Hintergrund für den Tomatenwurf 1968 schildert: Ignoranz der Männer gegenüber der gar nicht so privaten Situation der Frauen im SDS und dem Rest der Gesellschaft - leider immer noch aktuell. Zwei Wochen später geht Lars Quadfasel mit der Forderung nach der Freigabe aller Drogen vielen Teilnehmenden zu weit, sie verlassen die Veranstaltung. Bei Günter Amendts „Sexfront revisited“ auf dem SDS-Kongress im Mai 08 platzt der Seminarraum aus allen Nähten und Gisela Notz zitiert ‚Ton Steine Scherben’: „Wir brauchen keinen starken Mann, wir sind selber stark genug.“
Die Kulturrevolution der ‚Neuen Linken’ – Bewegung gestern und heute
Wer 68 zum Mythos verklärt und so begründet, den aktuellen Hype rechts liegen lässt, übersieht eins: Bewegung kommt von unten! Nicht von Parteien oder Denkern, nicht mal im eigentlichen Sinne von der Linken, sondern von dem, was wir seitdem als neue soziale Bewegungen bezeichnen – Menschen, die sich Luft verschaffen, die sich als Teil einer Veränderung zum Positiven wahrnehmen, die sich ihr Leben wieder aneignen.
Diese „Neue Linke“ hat einen neuen Politikbegriff, marxistisch gesprochen um die „Entfremdung“ als zentrale Kategorie statt der „Ausbeutung“. Alt an der „Alten Linken“ ist die zentrale Stellung der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt, die Fabrik als Ort der Auseinandersetzung, die Öffentlichkeit als Repräsentationsraum. „Das Private ist politisch“ - 1968 geht es auch um die eigenen Lebens- und Liebesverhältnisse: Sex, Drogen und kulturelle Autonomie als Vorschein einer ganz anderen Welt, die möglich scheint. “Freaks are revolutionaries and revolutionaries are freaks. If you want to find us, this is where we are. ” (aus dem ersten Kommunique des Weather Underground).
Blick über den nationalen Tellerrand: Der 31. BuKo-Kongress zu ‚68 international’
Der Vietnamkrieg schaffte eine seltene Gleichzeitigkeit in dieser globalen Bewegung, das Farbfernsehen tat sein übriges. Was auf der rls-Tagung in Hamburg eher akademisch diskutiert wurde, fand auf dem Kongress der Bundeskoordination Internationalismus breites Interesse: Wo steht linke Praxis heute? Und wie hilfreich ist dafür ihre Theoriebildung und Geschichte?
Was sagt uns der Demokratiebegriff Alain Badious über die Grenzen der Mobilisierung von Bewegung? Wie sah ‚1968’ in Südamerika aus und welche Rolle spielen diese Jahre dort heute? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem mexikanischen Massaker am 2. Oktober 1968 und der Bewegung der Zapatisten heute?
Diese und viele weitere Fragen werden uns als AG68 und Bewegungsaktivst_innen weiter beschäftigen, und wir laden alle dazu ein.





