... wir sind umgezogen

Die AG68 ist nun unter AG68.twoday.net zu finden

Video: Die 68erinnen – Rebellische Frauen und Politik als Männersache

Reihe: "40 Jahre 68"/ Auf den Spuren der Revolte, Essen, März 2008
Ein fulminanter Ritt durch 40 Jahre Frauenbewegung inkl. Wendungen und Lehren für heute. Flash-Video (siehe auch den Bericht zur Veranstaltung)

Alte Linke – Neue Linke? Die sozialen Kämpfe der 1968er Jahre in der Diskussion

NeueLinkeIn den 1968er Jahren glaubten viele, nicht nur Studierende, dass eine andere Welt möglich sei. Und sie war möglich, diese Welt ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Ungleichheit. Denn in den sozialen Kämpfen protestierten die Menschen nicht nur gegen das Elend der Welt, sie begannen auch, andere Arbeits- und Lebensverhältnisse in der Praxis zu erproben.
Inhalt & komplettes Buch als pdf hier

Reaktionen, Diskussion und Hinweise: http://twitter.com/68er_buch

Abschlussbericht der Reihe „40 Jahre 1968“

veranstaltet 2008 in Kooperation zwischen rls NRW & AG68

Unser Ziel bestand von Anfang an darin, „ein Bild der 68er zu stärken, das neben dem Erreichten, auch an die transformatorischen Ansätze anknüpft, die bis heute ihrer Realisierung harren“ und so bei allen Themen auch an aktuelle Debatten der (radikalen) Linken anzuknüpfen. Umso mehr bestand dieses Ziel unter dem Eindruck, dass seitens der Rosa Luxemburg Stiftung NRW wenig Kontakt ins Spektrum der bewegungsnahen oder radikalen Linken existiert.

G8Spätestens seit den Protesten in Genua 2001 hatte sich eine altermondialistische Bewegung bemerkbar gemacht, die mit dem G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm auch hierzulande angekommen war. Die Generationen übergreifende Breite der Bewegung sollte in der AG68 für eine linke Geschichtsschreibung nutzbar gemacht werden. Gerade da die rls NRW eher ältere Generationen in ihrem Umfeld versammelt, schien sich im Jubiläumsjahr 2008 eine Möglichkeit zu ergeben, aus der ‚Not eine Tugend zu machen’: Die Erfahrungen zu nutzen, um einer wieder erstarkenden jungen Bewegung politisches Handwerkszeug und Einblick in linke Debattengeschichte an die Hand zu geben.

Dies begann mit einer Veranstaltung in Köln „Von den 68ern bis Heiligendamm“ über „Die 68erinnen“ mit Frigga Haug in Essen, die Eingang in die Sonderbeilage der jungen Welt zum 8. März fand, bis zur Beteiligung am BuKo31-Kongress in Dortmund mit drei inhaltlichen Veranstaltungen. Neben zwei Veranstaltungen zur Geschichte linker Drogendebatten, der Beteiligung an einem AntifaCamp, Filmen, Veranstaltungen über den historischen SDS vor 1968 oder der ‚Neuen Marx-Lektüre’ gab es nicht zuletzt einen internationalistischen Schwerpunkt:
„Mexico 1968“ in Bezug auf die heute schwer gehypten Zapatisten, „Italien 68“ und „Japan 68“ als geschichtlicher Background zu den G8-Gipfeln 2008 und 2009, „Vergessene Proteste“ als Nachklang des AntiRa-Camps 2008 und nicht zuletzt der Versuch einer Textlektüre-Reihe in Anknüpfung an die Theoriebildung der ‚68er’, mit Autoren wie etwa Frantz Fanon. Insgesamt fanden 2008 weit über 20 Veranstaltungen zwischen Dortmund und Siegen statt.

Leider fehlte es an personellen Kräften und dem erhofften Zulauf während des Jahres, so dass viele weitere Projekte nicht realisiert werden konnten. So hätten wir uns etwa eine tagesaktuelle Intervention in die Debatten um 1968 gewünscht.
Auch erwies sich das Parteiumfeld als zu sehr im Alltagsgeschäft verhaftet, die radikale Linke zu wenig vernetzt und wir zu wenig repräsentativ um eine große Ausstrahlungskraft zu entfalten.
Dennoch: Die Beschäftigung mit einem linken Geschichtsverständnis wird für uns auch in Zukunft essentieller Teil einer bewegungsnahen Bildungsarbeit sein, die im Umfeld der rls NRW noch aufzubauen ist. So gibt es seit Mitte 2008 ein gesondert beworbenes Jugendbildungsprogramm und ein zunehmendes Interesse seitens kleiner Gruppen der radikalen Linken in NRW an der Stiftung, die aber weiterhin auf Abstand zur Partei gehen.

Dies gerade als Stärke der Rosa Luxemburg Stiftung zu betrachten, ihr Spektrum dauerhaft um jene jungen bewegungsorientierten Aktivist_innen zu erweitern und sich dabei einem instrumentellen Verständnis seitens der Partei zu erwehren, wird die Aufgabe der nächsten Jahre sein.

Die Aktiven der AG68 wollen weiterhin als Schnittstelle zwischen der rls NRW und linksradikalen Bewegungsspektren fungieren, wie sie sich etwa im Umfeld der Interventionistischen Linken, den Debatten um Poststrukturalismus, Operaismus oder Marxscher Wertkritik, internationalistischen, antifaschistischen oder auch anarchistischen Bewegungen aktuell zeigen. Denn mehr als 40 Jahre nach der Niederlage von 1968 und fast 20 Jahre nach der Niederlage des Realsozialismus ist „die Linke mehr denn je auf der Suche“

Der AG68 ging es nie um einen unzeitgemäßen Pathos oder enteignetSpringerdie nostalgische Beschwörung alter Floskeln, sondern um die historische Chance, die „1968“ repräsentiert und die nicht genutzt wurde. Es ging uns weniger um das, was in diesen Jahren passiert ist, sondern darum, was nicht passiert ist! Um aus vergangenen Niederlagen lernen zu können, muss man sie zunächst einmal als solche begreifen.

Wir müssen uns fragen, unter welchen Voraussetzungen die neoliberale Wende nach 1968 ihren Siegeszug antreten konnte, die nun zu ihrem Ende gekommen zu sein scheint. Warum haben ‚die 68er’ diese Entwicklung nicht vorhersehen? Was hatten sie erwartet? Und vor allem: Was steht uns jetzt, nach deren Ende, bevor?

Nicht zuletzt die Berücksichtigung des ‚Privaten’, das die ‚Neue Linke’ gegenüber der ‚Alten’, auf die Arbeiterbewegung zentrierten, Linken auszeichnet, verdient unsere erhöhte Aufmerksamkeit. Man merkt es der Partei DieLinke an, dass sie die Kämpfe um 1968 nur verzerrt in ihr kollektives Gedächtnis übernommen hat: Weder die Ökologie- noch die Geschlechterfrage nehmen in ihr einen bedeutsamen Stellenwert ein. Fragen von Identität, Sexualität oder eigenem Erfahrungszugang werden nur im Modus verallgemeinerbarer abstrakt-politischer Forderungen verhandelt. Die Entfremdungserfahrungen jugendlicher Subkultur finden kaum Eingang in die Debatten einer aufs Parlamentarische fokussierten Parteistruktur.

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbst gewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen“ (Marx, 18. Brumaire). Wenn es also stimmt, dass die „gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse [...] unsere Erlebnisfähigkeit strukturieren“ (Bini Adamczak), dann kann Theoriearbeit nicht ohne (Bewegungs-)Praxis, kann die Organisationsfrage nicht ohne kollektives Gedächtnis, können zukünftige Siege nicht ohne die Verarbeitung vergangener Niederlagen sein.

Bernd Barenberg, 20.01.2009

Geschichte(n) der Linken: 1968 – eine andere Welt war möglich. Ein Zwischenbericht

„Es ist die Stärke des beschworenen Gefühls, die Größe des Traumes und die Siegessicherheit ob seiner baldigen Verwirklichung, die anachronistisch geworden ist.“
(aus: Bini Adamczak, „Warum mir das Ausbleiben der Revolution auf den Magen schlägt“)


Bis heute suspekt: Frauenbewegung, Drogenlegalisierung und reden über Sex

Automatisierung in Haushalt und Fabrik eröffnete breiteren Bevölkerungsschichten Ende der 60er mehr freie Zeit. Zum Schrecken vieler Konservativer und traditioneller Linker verbrachte die Jugend diese allerdings mit bewusstseinsverändernden Substanzen, ungezügelter Sexualität und einer eigenen Kultur in Musik oder Kleidung. Noch 40 Jahre danach streitet die Linke über Drogenverbote, schweigt zu Sexualität und ignoriert immer wieder Machtmechanismen jenseits von Klassenverhältnissen.

Wie Frigga Haug im März 2008 den Hintergrund für den Tomatenwurf 1968 schildert: Ignoranz der Männer gegenüber der gar nicht so privaten Situation der Frauen im SDS und dem Rest der Gesellschaft - leider immer noch aktuell. Zwei Wochen später geht Lars Quadfasel mit der Forderung nach der Freigabe aller Drogen vielen Teilnehmenden zu weit, sie verlassen die Veranstaltung. Bei Günter Amendts „Sexfront revisited“ auf dem SDS-Kongress im Mai 08 platzt der Seminarraum aus allen Nähten und Gisela Notz zitiert ‚Ton Steine Scherben’: „Wir brauchen keinen starken Mann, wir sind selber stark genug.“

Die Kulturrevolution der ‚Neuen Linken’ – Bewegung gestern und heute

Wer 68 zum Mythos verklärt und so begründet, den aktuellen Hype rechts liegen lässt, übersieht eins: Bewegung kommt von unten! Nicht von Parteien oder Denkern, nicht mal im eigentlichen Sinne von der Linken, sondern von dem, was wir seitdem als neue soziale Bewegungen bezeichnen – Menschen, die sich Luft verschaffen, die sich als Teil einer Veränderung zum Positiven wahrnehmen, die sich ihr Leben wieder aneignen.

Diese „Neue Linke“ hat einen neuen Politikbegriff, marxistisch gesprochen um die „Entfremdung“ als zentrale Kategorie statt der „Ausbeutung“. Alt an der „Alten Linken“ ist die zentrale Stellung der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt, die Fabrik als Ort der Auseinandersetzung, die Öffentlichkeit als Repräsentationsraum. „Das Private ist politisch“ - 1968 geht es auch um die eigenen Lebens- und Liebesverhältnisse: Sex, Drogen und kulturelle Autonomie als Vorschein einer ganz anderen Welt, die möglich scheint. “Freaks are revolutionaries and revolutionaries are freaks. If you want to find us, this is where we are. ” (aus dem ersten Kommunique des Weather Underground).

Blick über den nationalen Tellerrand: Der 31. BuKo-Kongress zu ‚68 international’

Der Vietnamkrieg schaffte eine seltene Gleichzeitigkeit in dieser globalen Bewegung, das Farbfernsehen tat sein übriges. Was auf der rls-Tagung in Hamburg eher akademisch diskutiert wurde, fand auf dem Kongress der Bundeskoordination Internationalismus breites Interesse: Wo steht linke Praxis heute? Und wie hilfreich ist dafür ihre Theoriebildung und Geschichte?
Was sagt uns der Demokratiebegriff Alain Badious über die Grenzen der Mobilisierung von Bewegung? Wie sah ‚1968’ in Südamerika aus und welche Rolle spielen diese Jahre dort heute? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem mexikanischen Massaker am 2. Oktober 1968 und der Bewegung der Zapatisten heute?

Diese und viele weitere Fragen werden uns als AG68 und Bewegungsaktivst_innen weiter beschäftigen, und wir laden alle dazu ein.

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