Was verändert die Welt? - die AG68 auf dem BuKo31

Sa, 10.5.08, 15:00-16:30 Uhr
Mexico 1968 und die Bewegung heute
mit Bernd Barenberg (AG68) und Sevim Dağdelen (Bundesverband der MigratInnen) – angefragt

mexico68Am 2. Oktober 1968 schoss das mexikanische Militär auf eine Groß-Demonstration auf dem Platz der drei Kulturen, die Zahl der Toten ist bis heute unbekannt. Die seit Monaten andauernden Proteste richteten sich gegen die massiv zunehmende Repression im Vorfeld der Olympischen Spiele. Es sollte Ruhe und Ordnung herrschen, Mexiko als weltoffen und demokratisch erscheinen. Die zunächst klein beginnende Studierendenbewegung, die sich am Pariser Mai und der Bürgerrechtsbewegung der USA orientierte, wurde von Beginn an drastisch bekämpft. Die überzogene Repression führte dabei zu immer größerer Mobilisierung, Universitäten wurden besetzt. Die Demonstration auf dem Platz der drei Kulturen mit 10.000 bis 20.000 Beteiligten war die letzte der Bewegung: Über 2000 Verhaftungen, Hunderte Verletzte und eine unbekannte Zahl an Toten, Schätzungen sprechen von 40 bis 300.
Um daran zu erinnern und mit der aktuellen Debatte etwa um die Zapatistas zu verbinden, wollen wir für den 2. Oktober 2008 einen Aktionstag vorschlagen. Eine Tagesveranstaltung könnte die damaligen Ereignisse in ihrer aktuellen Rezeption beleuchten und um die Frage nach dem Verhältnis zum Staat gruppieren.


Sa, 10.5.08, 17:00–18:30 Uhr
Südamerikas Diktaturen: Erinnerungsarbeit heute
mit Susana Romana Sued (Argentinien)

Die sogenannten 68er in Argentinien: Mithilfe des Militärs putschte sich Juan Carlos Onganía 1966 an die Macht und übernahm das Amt des Präsidenten. Schlagzeilen machte Onganías harte Unterdrückung studentischer Protestbewegungen sowie der Rockmusik, die sich ab 1967 zu etablieren begann.
Susana Romana Süd war selbst damals Teil der Front von Studierenden, ArbeiterInnen und Gruppen innerhalb der Kirche gegen die Diktatur. In ihrer literarischen Erinnerungsarbeit kommen vor allem Frauen zu Wort.


So, 10.5.08, 10:00–11:30 Uhr
Was verändert die Welt? Auftakt zur Lesereihe
Allain Badiou: Der Demokratiebegriff und die Diskontinuität im Politischen

mit Susanne Schäfer (AG68)

Alain Badiou reflektiert den heutigen Demokratiebegriff und stellt seine Fixierung auf den Staat infrage. In wenigen singulären Ereignissen findet er dagegen die Momente, die den Souverän sprechen lassen. „Die politische Gleichheit ist nicht das, was man will oder projektiert, sie ist das, was man im Feuer des Ereignisses hier und jetzt deklariert als das, was ist, nicht als das, was sein soll.“ Wie argumentiert Badiou seine Konzeption von ‚Demokratie’ und was heißt das für die politische Praxis? Und: Waren die 68er eine solche Singularität, die Gleichheit zu einer Praxis jenseits des Staates macht?

Textgrundlage: Alain Badiou: Hochspekulative Gedanken über den Demokratiebegriff + Wahrheiten und Gerechtigkeit, aus: Ders.: Über Metapolitik (pdf)

Podium: 1968 international

BuKo31
Samstag, 10.05.2008, 20:00 - 22:00 Uhr
im Rahmen des BuKO31 vom 9. - 12. Mai in Dortmund


Dieses Jahr – vierzig Jahre nach „1968“ – wird es zahlreiche Rückblicke auf den Zeitraum am Ende der 1960er Jahre geben, der mittlerweile zur Chiffre erstarrt ist. Doch auch viele Rückblicke bürgen nicht unbedingt für Differenziertheit. Wenn nun auch die BUKO sich „1968“ zuwendet, dann weil „1968“ auch außerhalb der Unis von Deutschland (und Frankreich) Entscheidendes passiert ist. Etwa der Prager Frühling, die Revolte in Mexiko, die Unabhängigkeit vieler Kolonien in Afrika, am Anfang der Sechziger der Algerienkrieg, die Indochinakriege und die Kulturrevolution in China.

Aus internationalistischer Perspektive sind drei „Gruppen“ von Ländern interessant: Nicht nur die westlichen, sondern auch die damals kommunistischen und diejenigen, in denen koloniale Befreiungskämpfe stattfanden. In all diesen Ländern kam es damals zu Aufständen gegen die etablierten Machtverhältnisse. So wandten sich die studentischen Proteste in Deutschland nach innen gegen das marode Bildungssystem und die große Koalition unter Kiesinger; nach außen gegen die Hegemonie der USA, vor allem gegen die Intervention in Vietnam. Die Demonstrationen in Prag richteten sich gegen den Einfluss der UdSSR und forderten demokratisierende und liberalisierende Reformen, einen Sozialismus mit „menschlichem Antlitz“. In vielen afrikanischen Staaten kämpfte man für die Befreiung von den kolonialen Besatzern und die Erlangung der Staatsmacht. Bei allen Unterschieden stellt sich dennoch die Frage, ob die Geschehnisse von 1968 einen gemeinsamen Kern aufweisen, ob man vielleicht sogar von einem globalen Phänomen sprechen kann. Interessant sind die Unterschiede hinsichtlich der jeweiligen Subjekte und der Ziele der Revolten. Wollte man mit der Rebellion einen Systemwechsel oder Reformen erreichen? Gab es Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Kämpfen? Und welche Differenzen oder Widersprüchlichkeiten zeigten sich sowohl in den einzelnen Bewegungen als auch zwischen ihnen? Diese und andere Fragen möchten wir auf dem BUKO im Rahmen eines Podiums diskutieren. Dazu haben wir Dr. Amadou Lamine Sarr (Uni Wien), Krunoslav Stojakovic (Uni Bielefeld, angefr.) sowie ReferentInnen für Südamerika und die westlichen Länder eingeladen.

Bericht: "Die 68erinnnen" mit Frigga Haug

Frigga Haug: "Geschlechterverhältnisse sind Produktionsverhältnisse"
Frigga Haug über 68erinnen, das Verhältnis der Frauenbewegung zur Arbeiterbewegung, Erinnerungsarbeit und die 4-in-1-Perspektive für eine neue Linke von Bernd Barenberg
Bericht der Veranstaltung hier

68 und die Arbeiter – StudentenInnen und der Klassenkampf

20.05.08, 19:30 Uhr
Bochum, Soziales Zentrum, Rottstr. 31
ReferentIn: Wolfgang Schaumburg
In Kooperation mit attac campus Bochum und dem GegenMachtKultur-Bündnis


Sollte auch 1968 nach den Vorstellungen vieler den endgültigen Bruch mit den kapitalistischen Verhältnissen bringen? Wie verhielt sich das revolutionäre Subjekt und ihre Parteien in den Kämpfen des Jahres 1968? Welche Berührungspunkte gab es zwischen Studierende und ArbeiterInnen?
Unterstützten sie sich gegenseitig bei Demonstrationen und Wilden Streiks?

Von Willy Brandt zu Mao Tse Tung

13.05.08, 19:30 Uhr
Siegen, Buchhandlung Bücherkiste", Bismarckstr. 3, 57076 Siegen
Referenten: Fabian Deus und Sven Gringmuth
In Kooperation mit dem RLC Siegen und Links im Dialog


Die Studentenbewegung und die „Proletarische Wende. Nach dem ersten Höhepunkt der Studentenbewegung begann eine wahre Flut von Neugründungen sogenannter K-Gruppen, die neben den Parteien nun die politische Szene in Westdeutschland prägten. Seit den 90er Jahren ist dieses Phänomen allerdings verschwunden. Was waren die Beweggründe, die Gemeinsamkeiten, die Unterschiede? Was waren die Erfolge, was die Gründe des Scheiterns? Was ist von ihnen bis heute geblieben?

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